Kommentar

[30.03.2022] Steckt DeutschPop tatsächlich in einer Krise? Das Medienmagazin DWDL versuchte sich dieser Tage an einer Analyse, wie es um Songs von Forster, Giesinger oder Oerding steht. Das Ergebnis von Autor Manuel Weis war ernüchternd: Die meisten großen Sender machen einen Bogen um deutschsprachige Musik der Pop-, Rock- oder Balladentitel.

Rechtfertigung für Versäumtes

Die Programm- und Musikchefs erklärten den Trend auf vielfältige Weise: „Verlorengegangene Anziehungskraft“, „wenig innovativ“, „kaum Unterscheidungspotential“, waren nur einige der Statements, die pünktlich zur Veröffentlichung der zweimal jährlich stattfinden Mediaanalyse Radioreichweiten (agma) zu hören waren. Irgendwie klingt das nach einer Entschuldigung. Nein, mehr noch: Es klingt nach einer Rechtfertigung für das, was man seit Jahren versäumt hat: Hinzuhören.

Ziele neu definieren

Wer sich auf dem Markt des DeutschPop umschaut, der wird weitaus mehr entdecken als die „üblichen Verdächtigen“. Es gibt hervorragend produzierte Songs und eindrucksvolle Texte, die es einfach und erst einmal verdient haben, überhaupt gespielt zu werden. Um als Radiosender eine gute und ausgewogene Musikauswahl zu treffen, muss nicht immer das definierte Ziel „Chartbreaker“ oder „Ohrwurm“ heißen.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist das Selbstverständnis der Sender. Radio darf nicht vollständig zum Spiegel der Hörerwünsche und -sehnsüchte werden. Radio ist mehr als ein die bestehende Nachfrage befriedigendes Medium, das immer wieder allseits bekannte Angebote durch die Wellen oder das Internet jagt.

Radio muss Angebote schaffen

Radio ist vor allem und in erster Linie Programm. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Mehrzahl der Stationen reagiert, statt zu agieren. Das ist grundlegend falsch und hat letzlich zu diesem Gleichklang geführt, der erst beim Blick auf den Sendernamen zeigt, wen oder was man gerade eingeschaltet hat.

Die Pflicht zu Innovation gehört in erster Linie dem Radio – weder den Produzierenden noch den Künstlerinnen und Künstlern. Radio darf und muss Angebote schaffen, erst dann erfüllt es als Unterhaltungsmedium seinen eigentlichen Zweck. Den Trends hinterherzulaufen, mag vorübergehend Quoten bringen. Allerdings macht diese Philosophie austauschbar. Austauschbar sollte aber lediglich die Playlist sein. (Bild: pixabay.com)

Von montags bis freitags zwischen 6 und 8 Uhr hat DeutschPop bei Radio Farbenspiel seinen festen Platz. Deutschsprachige Musik ist mehr als Schlager.