Was von Lauterbach bleiben wird

Kommentar

In der Not klammert sich der Mensch nur allzu gern an den sprichwörtlichen Strohhalm. Sicherheit hat viele Gesichter. Und doch ist sie nur ein Gefühl jenseits gesicherter Statistiken und nachweisbarer Fakten. Sicherheit hat maßgeblich mit Vertrauen zu tun. Wir vertrauen uns selbst, anderen, dem Staat und vielleicht auch Gott.

Wer engagiert die Funktion desjenigen übernimmt, der Vertrauen vermittelt, hält schon bald die Fäden in der Hand. Je überzeugender seine gewählten Worte und ausgeführten Handlungen sind, desto mehr entsteht Zuwendung von Hilfesuchenden. Man hinterfragt nicht mehr, man vertraut irgendwann blind. Ein gefährliches Unterfangen, denn vermittelte Sicherheit ist nicht mehr als die Überzeugungskraft von Hypothesen.

Warum fällt mir in diesem Zusammenhang Bundesgesundheitsminister Lauterbach ein? Es war eine Fügung des Schicksals, dass er, der SPD-Genosse und studierte Mediziner, insofern beruflich gesegnet mit dem vertrauensvollen Beleg fundierter Kenntnis, Ende 2019 ein Amt übernahm, das auf ihn zugeschnitten schien. Die Herausforderungen waren immens: Das Gesundheitswesen lag am Boden, viel zu wenig Personal in Kliniken und der ambulanten Pflege musste für viel zu wenig Geld arbeiten, und all das unter Bedingungen, die dringend einer Generalüberholung entgegenfieberten.

Zwei Jahre später ist aus dem Perfekt leider ein Konjunktiv-Futur geworden. Nichts hat sich geändert.

Der Gesundheitsminister ist noch immer derselbe. Er hätte viele Chancen und Möglichkeiten gehabt, seinem Amt und dessen vielfältigen Anforderungen, die er immerhin gegenüber dem deutschen Volk geschworen hat, gerecht zu werden. Vertane Zeit.

Was von Lauterbach irgendwann einmal bleiben wird, ist nicht mehr als die Erinnerung an einen Politiker, der sich in der endlosen Konzentration auf ein Virus selbst verzettelte, im Laufe der Monate immer mehr Ahnungslosigkeit offenbarte und bis zuletzt an den großen Kampf gegen den ominösen Endgegner zur traurigen Figur eines Don Quichotte wurde.

„Es ist vorbei“, möchte man dem Gesundheitsminister zurufen. Vertrauen ist zerbrechlich. Je stärker man sich an die Rolle des Vertrauensschenkenden klammert, desto mehr verliert man an Überzeugungskraft und irgendwann auch an Glaubwürdigkeit.

Wer in diesen Tagen und Wochen nach Sicherheit sucht, sollte nicht auf alte Rollenbilder setzen. Selbst ist der Mensch, und in der Regel ausgestattet mit einem gesunden Menschenverstand. Allein das, und mit Sicherheit. (Bild: Das Erste)