Der mit dem Feuer spielt

Peter Eckhardt ist der Flamme stets nah. Ein Risiko stellt das weder für ihn noch für die Dinge dar, die aus seinem handwerklichen Talent entstehen – es sei denn, man lässt sie fallen. Eckhardt ist Glasbläser im Schwarzwald. Seine Werkstatt befindet sich im Ort Altglashütten, der zur Gemeinde Feldberg gehört.

Die Glasherstellung hat den Schwarzwald, und speziell die Region rund um Feldberg, seit dem 16. Jahrhundert geprägt. In den zahlreichen Bächen und Wasserläufen fand man Quarzsand, den wichtigsten Grundstoff zur Herstellung von Glas. Hinzu kam ein riesiger Bedarf an Holz, denn ohne Feuer, keine Form.

Das wirkte sich schon bald auf den Baumbestand aus. Sobald das zur Verfügung stehende Holz eines Gebiets aufgebraucht war, zogen die Glasbläser weiter.

Peter Eckhardt ist der einzige Glasbläser in Altglashütten. Auf die Berufsbezeichnung legt er großen Wert. Er sei kein Glasmacher, wie die einstigen Handwerker, sondern eben ein Glasbläser.

Urprünglich wurden Gläser als Gebrauchsgegenstand hergestellt. Einfache Formen für Flaschen oder als Trinkgefäß – Gegenstände, die heute maschinell produziert werden. Zur Kunst wird die Glasherstellung erst durch das besondere Formen.

Die Flamme, die hierfür entscheidend ist, ist über 1.500 Grad heiß. Durch Blasen, Ziehen und Drehen entstehen zauberhafte, aber zerbrechliche Kunstwerke. Das Wichtigste sei nicht das Blasen, sondern das ständige und geschickte Drehen der glühenden Ursprungsform, erklärt Peter Eckhardt. Je schneller man dreht, desto mehr wird aus einer Kugel eine flache Form, die nach außen „fliegt“, wie es in der Sprache der Glasbläser heißt. So entsteht beispielsweise ein Standfuß für ein Gefäß.

„Es ist ein Spiel mit der Erdanziehungskraft“, sagt Eckhardt. Die Technik ist über 2000 Jahre alt.

Neben vielen schönen Dingen, wie Gläsern, Kerzenständern oder Schmuck, gibt es bei Peter Eckhardt eine besondere Vitrine: Hier finden sich unverkäufliche Einzelstücke, oftmals ohne einen Nutzwert, dafür wertvoll und wunderschön. Die zahlreichen Anhänger zeigen alle individuelle Muster, in denen sich das Auge verliert.

Ältere Gläser, die als einfache Trinkgläser von damaligen Glasmachern hergestellt werden, besitzen häufig einen leichten Grünstich. „So etwas nennt man Waldglas“, weiß Peter Eckhardt. Eine Laune der Herstellung. Eine größere Sammlung dieser Schwarzwälder Original-Gläser zeigt beispielsweise das Franziskanermuseum in Villingen.

Wer mehr über die Glaskunst des Schwarzwaldes erfahren möchte, dem sei der Schwarzwälder Glasträgerweg ans Herz gelegt. Dieser führt unter anderem durch Altglashütten und bietet viele Informationen über das faszinierende Handwerk. Glasträger brachten ihre Produkte übrigens in alten Zeiten aus dem Schwarzwald in benachbarte Länder und sogar bis nach England. (Bilder: Radio Farbenspiel/hoerfunkaktiv.de)

Links zum Beitrag:

Glasbläserei Peter Eckhardt

Franziskanermuseum Villingen

Glasträgerweg Südschwarzwald